Vereinigtes Königreich

London (Wikimedia)Das vereinigte Königreich besteht aus der Union Großbritannien (England, Schottland und Wales) und Nordirland. Das Bildungssystem ist dezentralisiert, daher bestehen sowohl Unterschiede als auch Ähnlichkeiten zwischen den Unterrichts- und Bildungssystemen dieser Länder.

In Großbritannien war lange Zeit die Berufsbildung in der Praxis – training on the job – vorherrschend. Angesichts der schnellen Entwicklung der Qualifikationen und des Arbeitsmarktes hat die öffentliche Hand den Bereich strukturiert und ein allgemeines und modulares System für die Anerkennung erworbener Kompetenzen eingerichtet. Da die nationalen Berufsqualifikationen (National Vocational Qualifications, NVQ) die Berufskompetenzen in einem relativ engen Rahmen anerkennen, bestehen Brücken zwischen den Systemen. Die Zertifizierungen werden von den kompetenten Kammern und Berufsverbänden ausgestellt, zu denen die Berufe gehören.

Für das britische Ministerium für Erziehung und Beschäftigung (Department for Education and Employment, DFE) besteht die „Hauptsorge in Großbritannien darin, die Hochschul- und Berufsabschlüsse in einen einzigen Rahmen zu bringen, um die traditionellen Spaltungen zu überwinden und das System durchlässiger zu machen.“

In Großbritannien entwickelt sich die Nachfrage nach Lehrausbildungen insbesondere im Hochschulwesen und reagiert damit auf den derzeitigen Arbeitsmarktbedarf.

Ein Regierungsplan zur Verbesserung der Kompetenzen wurde 2016 vorgeschlagen; dieser empfiehlt eine Vereinfachung der beruflichen Bildung und Ausbildung in England und die Schaffung von Qualifikationen mit Unterstützung der Unternehmen. Seit 2015 gibt ein neuer Regelungsrahmen den Unternehmen mehr Freiheit und Flexibilität, um Qualifikationen zu entwickeln, die dem Bedarf des Arbeitsmarktes entsprechen.

Das schottische System, bestehend aus Credit-Punkten und Qualifikationen, hat seine Ausgangsstruktur bewahrt. Die Schulen in Schottland richten ihr Angebot auf den Bedarf von Unternehmern und Wirtschaft aus.

Wales entwickelt seinen Qualifikationsrahmen für Berufsbildung. Die Lehrausbildung ist dort auf allen Bildungsebenen und für sämtliche Berufskompetenzen anerkannt. Die Berufskompetenzen sind nach Erstausbildung und Fortbildung eingeteilt.

Britisches Bildungssystem – 2012

 

Britisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Grossbritannien

Sekundarbereich

In Großbritannien können Jugendliche am Ende der Pflichtschulzeit im Alter von 16 Jahren die Prüfungen des GCSE (General Certificate of Secondary Education) Niveau 2 ablegen, die in etwa einem mittleren Schulabschluss entsprechen. Das schottische Äquivalent dazu heißt Scottish Certificate of Education : Standard Grade.

Nach der Pflichtschulbildung stehen den Jugendlichen mehrere Möglichkeiten offen:

  • Besuch eines « Sixth form college » das in zwei Jahren zu den GCE A-levels, Niveau 3 (General Certificate of Education Advanced Level – Allgemeiner höherer Schulabschluss) führt, welcher der Hochschulreife entspricht.

Das schottische Äquivalent dazu heißt Scottish Certificate of Education : Higher Grade).

  • Besuch einer berufsbildenden Einrichtung « Further Education College », die zu folgendem Abschluss führt:

 – dem Vocational certificate of education (VCE), das dem allgemeinbildenden A-level entspricht. Dies entspricht in etwa einer fachgebundenen Hochschulreife.
In Schottland entspricht dies den GSVQ (General Scottish Vocational Qualifications).

Die NVQ (National Vocational Qualifications), nationale Berufsqualifikationen bzw. in Schottland die SVQ (Scottish Vocational Qualifications), die zu einem berufsbildenden mittleren Abschluss führen.

 

Hochschulbildung

Schüler mit A-Level Abschluss und guten Noten (A bis C) in drei Fächern sind zum Zugang zur Universität oder Hochschulen berechtigt. Dort können sie folgende Abschlüsse erlangen:

  • Foundation Degree (FD) in ein bis zwei Jahren: Ausbildung zum hochqualifizierten Techniker oder Weiterführung der beruflichen Ausbildung.
  • Qualifizierende Zertifikate in einem Jahr (Certificates in HE) oder Diplome in zwei Jahren (Diplomas in HE) führen zu Berufsqualifikationen oder sind ein Sprungbrett zu einem ersten Hochschulabschluss.

 – Ein HND (Higher National Diploma) ist eine rein schulische oder duale Ausbildung über 2 Jahre und ist sehr auf die Arbeitswelt zugeschnitten. Der Abschluss ermöglicht den Berufseinstieg oder die weiterführende Berufsausbildung

– Bestimmte 3- oder 4-jährige Bachelor-Abschlüsse (BA Bachelor of Arts, BSc Bachelor of Sciences) an Universitäten sehen Ausbildungsabschnitte in Unternehmen vor. Sie sind berufsqualifizierend oder berechtigen zum Weiterstudium bis zum Master.

– Viele Master-Abschlüsse an Universitäten sind berufsqualifizierend.

 

Duale Ausbildung

Zwei berufsvorbereitende Bildungswege :

  • Das Programm Young Apprenticeships dient zur Vorbereitung der Jugendlichen ab 16 Jahren auf eine Lehrausbildung. Die Schüler besuchen eine allgemein- und berufsvorbereitende Schule und lernen nach dem Lehrplan des national curriculum. Parallel dazu sind zwei Tage pro Woche (oder ein gleichwertiger Zeitraum) der berufsbildenden Qualifizierung vorbehalten.
  • Das Programm Increased Flexibility – erhöhte Anpassungsfähigkeit – für Jugendliche zwischen 14 und 16 Jahren dient dazu, durch Abschluss von Partnerschaften zwischen den beruflichen Schulen und Betrieben die Berufsbildung und die Ausbildung in einem Lehrbetrieb zu verbessern.

Die Lehrausbildung führt in einer 1- bis 3-jährigen Ausbildungszeit zu 60 unterschiedlichen Abschlüssen. Die Lehrlinge erhalten eine Vergütung und die meisten haben den Status von Angestellten. Sie verbringen etwa einen Tag pro Woche im Kolleg und den Rest der Zeit im Lehrbetrieb. Für Lehrlinge gibt es keinerlei Altersbestimmungen.

 

Kennzahlen

  • Über 85.000 Arbeitgeber bieten Lehrstellen in über 200 Berufen an
  • Die Beschäftigungsquote der Abgänger aus der Berufsausbildung (20 bis 34 Jahre) liegt bei 79% und daher über dem EU-Mittel (77,2%). (CEDEFOP – 2017)
  • Die Regierung Großbritanniens hat für die Arbeitgeber in England ein Ausbildungsstipendium eingerichtet. Sie bietet Unternehmen mit weniger als 1000 Mitarbeitern eine Finanzhilfe, um Auszubildende zwischen 16 und 24 Jahren einzustellen. (CEDEFOP – 2015)

 

Letzte Aktualisierung : 18/06/2018

 

RÜCKFRAGEHINWEIS

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