Spanien

Barcelona (© Onisep / EV)Die Bildungssituation in Spanien bleibt weiterhin kontrastreich:

  • Fast ein Drittel der Jugendlichen verlassen das Schulsystem ohne Abschluss oder Qualifikation. Die Schulabbrecherquote in der Sekundarstufe II gehört zu den höchsten in den europäischen Ländern.
  • Wegen fehlender Alternativen mit positivem Image orientieren sich die Jugendlichen vermehrt in lange allgemeinbildende Ausbildungsrichtungen, wie der Anstieg der Hochschulabschlüsse zeigt.

Um die Jobperspektiven der Jugendlichen und der ungelernten Arbeiter zu verbessern, möchte Spanien durch die Einführung neuer Abschlüsse und die qualifizierende Anerkennung erworbener Berufserfahrung die Qualität und Attraktivität der Berufsbildung verbessern. Es werden mehr Ausbildungsprogramme angeboten, die finanzielle Unterstützung erhöht und die Information und die Berufsberatung verbessert.

Spanisches Bildungssystem – 2014

 

Spanisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Spanien

Sekundarbereich

Grado medio (mittlerer Abschluss): Zulassungsvoraussetzung ist der Graduado en Educación Secundaria Obligatoria (Abschluss der Sekundarstufe I), der automatisch am Ende der Pflichtschulbesuches erteilt wird. Diese Ausbildung dauert 18 Monate und umfasst ein Betriebspraktikum von 300 Stunden (Centro de Trabajo). Diese Ausbildung führt zum Titel Técnico (Techniker) und an diese schließt die Ausbildung zur fachgebundenen Hochschulreife an. Der Technikerabschluss erlaubt nicht den Zugang zum universitären Hochschulwesen, aber zum Bachiller (allgemeinbildende Sekundarstufe) oder zur Ausbildung zum höheren Techniker.

Die Berufsbildungen sind modular aufgebaut, ein Teil besteht aus praxisnaher betrieblicher Ausbildung Diese bildet das Ende des Bildungsgangs. Zu den höheren Bildungsgängen gehört ebenfalls eine längere Projektarbeit (módulo profesional de proyecto) (Berufsbezogenes Projektmodul).

Ein Berufszertifikat (certificado de profesionalidad) wird für 16- bis 21-Jährige Schulabgänger ohne Abschluss angeboten, welches einer Berufsqualifikation Niveau 1 im nationalen Berufsverzeichnis entspricht. Dies wird von der Arbeitsbehörde angeboten und erleichtert den Berufseinstieg oder eine Rückkehr in die Erstausbildung.

 

Hochschulbildung

Grado superior (höherer Abschluss), zugangsberechtigt sind Inhaber des Bachiller (höherer Schulabschluss) oder des Grado medio. Diese postsekundäre ein- oder zweijährige Ausbildung, bei der ein Viertel der Unterrichtszeit berufsbildender Art ist, vermittelt den Studenten berufliche Fachqualifikationen. Nach erfolgreichem Abschluss erhalten die Studenten die Qualifikation Técnico superior (höherer Techniker)

Der Abschluss des höheren Technikers erlaubt ohne weitere Prüfung die Aufnahme an der Universität im Grado-Studium (unterer Universitätsabschluss).

 

Duale Ausbildung

Die duale Lehrausbildung ist wenig bekannt: sie steht bevorzugt Jugendlichen zwischen 16 und 21 Jahren offen, die die Schule oder Abschluss oder Qualifikation verlassen haben. Diese ist im Rahmen eines Contrato para la formacion  (Ausbildungsvertrags) organisiert, der zwischen 6 Monaten und 2 Jahren dauern kann.

Bildung und Berufsausbildung modernisieren, flexibler gestalten, um die Lehrausbildung im Alltäglichen und die Vermittlungsfähigkeit zu fördern, sind das Herz der Bildungs- und Arbeitsreformen in Spanien. Die Berufsbildung spielt eine wichtige Rolle beim Ausbau der Kompetenzen der Arbeiter und um den Jugendlichen zu helfen, die auf dem Arbeitsmarkt geforderten Qualifikationen zu erwerben.

Die Bildungsbehörde wurde 2013 reformiert. Seit 2014 stellt sie Berufsbildungsabgängern Kenntnisse (grundlegende, mittlere und höhere Kenntnisse) in verschiedenen Kompetenzstufen aus. Zu den zweijährigen Ausbildungsprogrammen (2000 Stunden) gehört ein Ausbildungsvertrag im Unternehmen. Mindestens 20 % der Ausbildungszeit werden im Ausbildungsbetrieb und höchstens 80 % in einem Berufsausbildungszentrum absolviert.

Die dualen Ausbildungsprogramme werden anhand einer Vereinbarung zwischen Unternehmen, Schule und dem Auszubildenden aufgebaut. Die Auszubildenden gelten als Schüler (ohne Altersgrenze) und können eine örtlich unterschiedlich hohe Studienförderung erhalten.

Die Reformen haben dank der dualen Ausbildungswege (mit oder ohne Ausbildungsvertrag) ebenfalls zum Erwerb beruflicher Kompetenzen beigetragen. In diesen Fall dauert die Ausbildung drei Jahre.

Das duale Ausbildungsprinzip wurde landesweit eingeführt, um die Attraktivität zu erhöhen und um den Jugendlichen beim Berufseinstieg zu helfen. In dem dualen Ausbildungssystem können Jugendliche zwischen 16 und 25 Jahren und bis 30 Jahre (um die Arbeitslosigkeit zu senken) Ausbildungsverträge (über drei Jahre) abschließen und so einen Mindestlohn erhalten.

Kennzahlen

  • Dank dieser aktiven Förderpolitik hat die durch die Arbeitsagentur angebotene Anzahl Ausbildungen und Ausbildungsverträge zugenommen. Für das Jahr 2014 sind sie um 25% gestiegen. (CEDEFOP – 2016)
  • Etwa 45% der auszubildenden Schüler haben sich für folgende Berufsbereiche entschieden: Gesundheit, Verwaltung, Management und Elektrotechnik. (CEDEFOP – 2016)
  • Um die Kompetenzen der Auszubildenden näher an den Bedarf des Arbeitsmarktes anzupassen und um die Attraktivität, die Transparenz und den Wert der Ausbildungsprogramme noch zu verbessern, reformiert Spanien sein Berufsausbildungssystem. Dazu erneuert Spanien seine Kataloge für Ausbildungsberufe und andere mittlere und höhere Ausbildungswege, um mehr Flexibilität in die Ausbildungen zu bringen.
  • Die Abgänger der Erstberufsausbildung in Spanien weisen eine höhere Beschäftigungsquote auf als Abgänger der allgemeinbildenden Sekundarschule auf dem gleichen oder darunterliegenden ISCED-Niveau (International Standard Classification of Education). Die Beschäftigungsquote ist gegenüber Abgängern der allgemeinbildenden Sekundarschule um 0,4% gestiegen. (EUROPA – 2016)

 Letzte Aktualisierung : 21/02/2018