Schweden

Stockholm (Wikimedia)Schweden galt lange Zeit unter seinen europäischen Nachbarn als vorbildlich hinsichtlich der Arbeiterqualifizierung und Berufsbildung, aber die Situation hat sich geändert.

Das schwedische Bildungssystem hat in den Jahren 2000 gegenüber dem technologischen Wandel in der Industrie und der Veränderungen am Arbeitsmarkt nicht schnell genug reagiert. Daher ist ein Rückgang qualifizierter Facharbeiter zu verzeichnen. Das Parlament hat daher kürzlich beschlossen, mit der Beteiligung der Unternehmen neue Bildungsprogramme einzurichten, die besser an den Arbeitsmarkt angepasst sind.

Die Regierung hat sich schwerpunktmäßig dafür eingesetzt, die Bindung zwischen Bildung und Arbeitswelt in der Berufsbildung, der Sekundarstufe und an den Hochschulen zu verstärken.

Dazu wurde ein Berufsbildungszentrum ins Leben gerufen, um das Angebot an Ausbildungsberufen zu fördern und zu erweitern. Die Regierung hat ebenfalls Regelungen verabschiedet, um den Berufseinstieg junger Absolventen zu bewältigen und insbesondere die Möglichkeit geschaffen, die sekundäre Oberstufe mit einem Ausbildungsvertrag und einer Berufsbildung abzuschließen. 2015 wurden Ausbildungsverträge und Vereinbarungen zwischen den Jugendlichen, Arbeitsagenturen und Gemeinden eingeführt; diese fördern den Berufseinstieg von Jugendlichen zwischen 20 und 24 Jahren bzw. die Rückkehr ins Ausbildungswesen, um Kompetenzen in der sekundären Oberstufe zu erwerben. Theoretische Lehrinhalte und Berufserfahrung können kombiniert werden.

Schwedisches Bildungssystem – 2013

 

Schwedisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Schweden

 

Sekundarbereich

Eines der Hauptziele des schwedischen Bildungssystems ist zu verhindern, dass sich zwischen Berufs- und Allgemeinbildung ein Abgrund bildet. Die Schüler beider Bildungswege befinden sich in der gleichen Schule und haben bestimmte Fächer gemeinsam.

Am Ende der Pflichtschulzeit mit 16 Jahren können die schwedischen Schüler aufs Gymnasium gehen.

Die Oberstufenreform 2011 führt 18 Zweige in der Sekundarstufe II ein (Sozialwissenschaften, Sprachen und Literatur, Hotelfach, Technik usw.) und verändert die Zugangskriterien: jeder Zweig bietet Spezialisierungen: z. B. die bietet die Orientierung „Gesundheit und Pflege“ verschiedene Optionen wie „Gesundheit und Wohlbefinden“, „Zeichensprache“, „Naturkunde“ usw.

So ist die Unterscheidung zwischen theoretischen Lehrplänen, die auf ein Hochschulstudium vorbereiten und praktischen berufsbildenden Lehrplänen klarer.

  • Um zu einem theoretischen Lehrplan zugelassen zu werden, muss ein 16-jähriger Schüler die Prüfungen in Schwedisch, Englisch, Mathematik und in mindestens 9 anderen Fächern bestanden haben.
  • Um zu einem praktischen Lehrplan zugelassen zu werden, muss ein 16-jähriger Schüler die Prüfungen in Schwedisch, Englisch, Mathematik und in mindestens 5 anderen Fächern bestanden haben.

Die einzelnen, in der Sekundarstufe II angebotenen Zweige bereiten auf ein Hochschulstudium, auf praktische Berufe oder eine Mischung von beiden vor. Jeder Zweig enthält vier Teile: 8 Grundfächer (Englisch, Kunst, Sport und Gesundheit, Mathematik, Naturwissenschaften, Bürgerkunde, Schwedisch, Theologie); weitere Fächer, die zur gewählten Spezialisierung gehören; eigenständige Arbeit und Berufspraktika in den berufsbildenden Lehrplänen.

Der Abschluss bildet die Reifeprüfung, genannt Slutbetyg från gymnasieskolan, die dem Abitur bzw. der Matura entspricht. Sind die Noten ungenügend, um sich für bestimmte Ausbildungen zu bewerben, hat der Schüler die Möglichkeit, seine Noten zu verbessern, indem er seine Ausbildung ergänzt oder Prüfungen wiederholt.

 

Hochschulbildung

Über eine „höhere“ bzw. postsekundäre Berufsbildung kann in zwei Jahren die Berufsqualifizierung für die Industrie, neue Technologien und für den Gesundheitsbereich erreicht werden. Ein Drittel der Ausbildung findet im praktischen Arbeitsumfeld statt. Diese Studiengänge werden in enger Zusammenarbeit mit Unternehmen, Gemeinden und Ausbildungseinrichtungen erarbeitet.

Die postsekundäre Berufsbildung gehört zum Hochschulwesen. Eine Agentur ist verantwortlich für die Lehrpläne der postsekundären Berufsbildung.

 

Duale Ausbildung

Duale Ausbildungsgänge sind in Schweden wenig entwickelt. Ein Pilotprogramm „Praktisches Lernen im Berufsumfeld“ (LIA) ist derzeit im Versuchsstadium.

 

Kennzahlen

  • 71% der Männer und 76% der Frauen der Altersklasse 25-64 Jahre befinden sich in einem Ausbildungsgang. Das ist bei weitem die höchste Teilnahmequote in Europa. (Nationale Bildungsagentur)
  • Die Arbeitslosenquote der Frauen mit Hochschulabschluss lag 2007 unter der der Männer.
  • Verschiedene Aspekte der Fachausbildungsprogramme, Fragestellungen und politische Antworten: In Schweden ist die Anzahl Auszubildender in der Oberstufe der Sekundarschule von 6000 (Herbst 2013) auf 6500 (Sommer 2014) erheblich gestiegen und erreichte schließlich 7300 Auszubildende (Herbst 2014). (CEDEFOP – 2015)
  • Unter den ersten Abgängern der schwedischen sekundären Oberstufe hat die Anzahl Auszubildender gegenüber dem Vorjahr um 9% zugenommen.
  • Das Ausbildungsjahr erfreut sich 2016 in Schweden steigender Beliebtheit und ihm wird ein hoher qualitativer Wert beigemessen: Die Regierung hat in eine Informationskampagne für Schüler, Eltern, Lehrer und Tutoren investiert. Es ist eine Frage der Qualität und Beliebtheit. Die Regierung hat das Jahr 2016 übereinstimmend mit den Arbeitgebern und Arbeitnehmern der unterschiedlichen Organisationen zum Jahr der Fachausbildungsprogramme erklärt.  » (CEDEFOP 2016)

Letzte Aktualisierung : 21/02/2018