Österreich

Salzburg (Wikimedia)„In Österreich, so fasst es der Bundesunterrichtsminister zusammen, führt kein Bildungsweg in eine Sackgasse“.

Die berufliche Ausbildung ist bei den Jugendlichen sehr beliebt: fast 80% eines Jahrgangs schlagen nach dem Pflichtschulbesuch diesen Bildungsweg ein. Das Besondere ist, dass Allgemeinbildung, theoretische und praktische Berufsbildung für die 14- bis 19-Jährigen bei diesem Bildungsweg kombiniert sind. Die Bildungswege sind vielfältig und untereinander durchlässig, es gibt überall Querverbindungen zu höheren bzw. Hochschulabschlüssen.

 

Österreichisches Bildungssystem – 2013

 

Österreichisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Der berufliche Bildungsweg in Österreich

 

Sekundarbereich

Eine der Eigenschaften des österreichischen Bildungssystems ist, dass den erst 10-jährigen Schülern bereits zu Beginn der Sekundarstufe I die Wahl zwischen zwei Ausbildungsgängen geboten wird:

  • Die Sekundärstufe I, Hauptschule (HS), die Allgemeinbildung und eine Vorbereitung auf die berufliche Erstausbildung vermittelt. Die Hauptschule nimmt etwa 70% der Schüler auf.
  • Die Allgemein bildende höhere Schule (AHS).
  • Die Neue Mittelschule, ein neues Schulkonzept, das die allgemeinbildende höhere Schule (AHS) und die Hauptschule kombiniert.

Nach der Schulpflicht (Alter 14 Jahre), die dem ersten Jahr der Sekundarstufe II entspricht, erfährt das Bildungssystem eine weitere Differenzierung. Vier Bildungsgänge, davon drei beruflich orientiert, stehen den Schülern offen. Daraus lässt sich ablesen, welche Bedeutung der Berufsbildung in Österreich beigemessen wird:

  • Allgemeinbildende höhere Schulen (Oberstufe), die zur Reifeprüfung, auch Matura genannt, führen. Diese entsprechen dem allgemeinen Hochschulzugang bzw. berechtigen zu postsekundären Ausbildungen,
  • Lange sekundäre Berufsausbildung (berufsbildende höhere Schulen bzw. BHS) über fünf Jahre. Diese Schulart führt ebenfalls zum Erwerb des allgemeinen Hochschulzugangs, z. B. technische und kaufmännische Studiengänge. Dieser Ausbildungsgang führt zu zwei Abschlüssen: Reife- und Diplomprüfung.
  • Berufsbildenden mittleren Schulen bzw. BMS: Vollzeitausbildung über 3 bis 4 Jahre (z. B. technische und kaufmännische Berufsschulen). Hier besteht kein Hochschulzugang, aber die Möglichkeit einer sofortigen Berufsausübung nach Bestehen der Abschlussprüfung.
  • Berufsausbildung nach dem dualen System (Polytechnische Schule undBerufsschule): der Ausbildungsgang besteht aus einem Jahr an der polytechnischen Schule, gefolgt von einer 3-jährigen Lehrausbildung, bei der 80% der Ausbildungszeit im Ausbildungsbetrieb verbracht werden.

 

Hochschulbildung

Die Fachhochschulen (FHS) bieten eine Ausbildung auf Hochschulniveau für Abschlüsse in Bereichen wie Management oder Tourismus. Ein Pflichtpraktikum gehört in jedem Fall zur Ausbildung. Die FHS sind Studenten mit Reifeprüfung sowie Personen mit fachgebundener Hochschulreife zugänglich. Die FHS vergeben die Abschlüsse Bachelor und Master.

 

Duale Ausbildung

Die Ausbildung über eine Lehre im Dualsystem mit der Berufsschule (20% der Ausbildungszeit) ist sehr beliebt. Die meisten Lehren dauern etwa 3 Jahre. Es gibt etwa 260 Ausbildungsberufe. Nach der Lehrabschlussprüfung ist eine Meisterausbildung möglich, die mit der Meisterprüfung in der gleichen Branche oder einer Berufsreifeprüfung abgeschlossen wird, die wiederum mit einer vollwertigen Matura (Abitur) gleichgesetzt ist.

Die Maßnahme Jugend am Werk bietet Jugendlichen, die keinen Ausbildungsplatz in einem Ausbildungsbetrieb gefunden haben, die Möglichkeit, in einer darauf ausgelegten Lehreinrichtung zu arbeiten.

 

Kennzahlen

  • Etwa 80% der Jugendlichen der 10. Jahrgangsstufe streben eine berufsbildende Weiterbildung an. Davon machen etwa 46 % eine Lehre, 15% eine berufsbildende mittlere Schule (BMS, kurz) und 27% eine berufsbildende höhere Schule (BHS, lang). Etwa 5% machen nach der Pflichtschulzeit keine Berufsausbildung.
  • Insbesondere wegen der Berufsausbildung ist Österreich eines der europäischen Länder mit der geringsten Jugendarbeitslosigkeit (9,5% bei den 15- bis 24-Jährigen gegenüber 18,7% im europäischen Mittel).