Luxemburg

2008 hat das Großherzogtum Luxemburg mit der Umsetzung einer Bildungsreform begonnen, um dank besserer Qualifizierung den Einstieg Jugendlicher in den Beruf und in das soziale Leben zu verbessern.

Ziel ist, der Ausgrenzung aus dem Bildungssystem sowie dem Schulabbruch und dessen Konsequenzen entgegenzuwirken. Die Ergebnisse dieser Reform sind bereits spürbar: 2003 lag die Schulabbrecherquote bei 17,2%. 2009-2010 sank sie auf 9%.

Das reformierte System gründet sich auf 3 Achsen:

  • Ausbildung von Kompetenzen: die Berufsbildung, die sich bisher im Wesentlichen auf die Inhalte von Schulfächern gründete, will nun die für die Ausübung eines Berufs erforderlichen Kompetenzen entwickeln (Wissen, Können, Sichbehaupten).
  • Modulares System: jede Berufsausbildung ist in verschiedene kapitalisierbare Einheiten strukturiert (Teilqualifikationen). Diese Organisation ermöglicht, Verbindungen und Brücken zwischen den verschiedenen Ausbildungen zu schaffen. Sie bietet ebenfalls die Möglichkeiten, nicht bestandene Prüfungsteile (eines Moduls) nachzuholen, ohne ein ganzes Schuljahr wiederholen zu müssen.
  • Engere Partnerschaft zwischen schulischer und praktischer Berufsbildung, um die Ausbildung besser an reale berufliche Situationen anzupassen.

Die Lehrausbildung ist ein Schlüsselelement der Berufsausbildung im Sekundarbereich. Die Berufsbildungsreform von 2008 hat die Praxisnähe zum Arbeitsmarkt gestärkt.

Die Bindungen zwischen Luxemburg und seinen Nachbarländern sind stark. Es ist ein mehrsprachiges Land mit einem hohen Anteil ausländischer Mitbürger, die eine andere Muttersprache als die Landessprachen – Deutsch und Französisch – haben. Diese Vielfalt wirkt sich stark auf die Berufsausbildung aus. Luxemburg ist das Land, das Fremdsprachen in seinen Lehrplänen die größte Bedeutung beimisst, sowohl in der Spachenvielfalt als auch in der Stundenzahl.

Luxemburgisches Bildungssystem – 2014

 

Luxemburgisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Luxemburg

 

Sekundarbereich

Am Ende der 6-jährigen Grundschule haben die Schüler die Auswahl zwischen:

  • Allgemeinbildende Sekundarstufe, die mit der Hochschulreife abschließt und zum Studium an Hochschulen und Universitäten berechtigt.
  • Technische berufsbildende Sekundarstufe, die sich in drei Richtungen aufgliedert:
    – die beruflich-technische Ausbildung (régime technique) für bestimmte Sozial
    – und Gesundheitsberufe, die mit dem Abschluss Diplôme de fin d’études techniques abschließt.- schulische Facharbeiter-Ausbildung (régime de la formation de technicien), die mit dem diplôme de technicien, DT, abschließt.
    – die Berufsausbildung (régime professionnel), die entweder mit dem „certificat de capacité professionnelle“ (CCP) oder mit dem „diplôme d’aptitude professionnelle“ (DAP) abschließt.

Die praktische Ausbildung im Unternehmen kann zwei verschiedene Formen annehmen:

  • Ausbildungsvertrag mit dem Ausbildungsbetrieb und schulische Ausbildung im berufsbildenden Lyzeum (lycée technique).
  • Betriebspraktikum: der größte Teil der Ausbildung ist schulischer Art und wird durch ein 12-wöchiges Betriebspraktikum ergänzt.

Um Schülern die besten Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bieten, will der Erziehungsminister das Lehrausbildungsangebot in der Berufsbildung und in den technologischen Lehrplänen erweitern.

Hochschulbildung

Auf Hochschulniveau gibt es ebenfalls berufsbildende Ausbildungen, zum Beispiel die zum höheren Techniker (Brevet de technicien supérieur, BTS) oder einige Ausbildungen an der Universität Luxemburg.

Der Meisterbrief ist eine berufliche Qualifikation, die in bestimmten Berufen Voraussetzung für die Niederlassung als Selbständiger ist und zur Ausbildung von Lehrlingen berechtigt. Es handelt sich um Handwerksberufe, die durch die Handwerkskammer geregelt sind.

 

Duale Ausbildung

Ausbildungsvertrag mit dem Ausbildungsbetrieb und schulische Ausbildung im berufsbildenden Lyzeum (lycée technique). Führt zum DAP-Abschluss.

Die Schüler können eine grenzüberschreitende Lehrausbildung absolvieren, um Qualifikationen zu erwerben, die das luxemburgische Bildungssystem ihnen nicht bieten kann. Diese Formel bietet den luxemburgischen Unternehmen den Vorteil, dass sie auf einen Pool Auszubildender aus den Nachbarländern zurückgreifen können.

Die Lehrausbildung in einem luxemburgischen Unternehmen kann mit der schulischen Ausbildung in einem Nachbarland kombiniert werden.

Kennzahlen

  • In Luxemburg liegt die Beschäftigungsquote der 25- bis 64-Jährigen über dem EU-Durchschnitt: 76% gegenüber 73%. (OECD – 2016)

Letzte Aktualisierung : 19/06/2018

RÜCKFRAGEHINWEIS

Das luxemburgische Bildungssystem im Überblick (Eurypedia)

Die verschiedenen Berufe und entsprechenden Ausbildungen (Blätter zur Berufskunde, Videos usw.)

Girls’ DayBoys’ Day“: eine durch die Ministerien, Schulen und Unternehmen gestartete Initiative für die Jugendlichen, um sich über Berufe und ausgefallene Berufe zu informieren

Handwerkskammer Luxemburg: Broschüre über die Handwerksberufe

Informationen zur Lehrlingsausbildung im Handwerk

Handwerkskammer / Luxembourg School of Commerce: Informationen zur beruflichen Erstausbildung (Lehre) in Handel und Industrie

EURES (Europäisches Portal für berufliche Mobilität) : Arbeitssuche und Lebensumstände in Luxemburg