Litauen

Vilnius (Wikimedia)Von einer strengen Zentralisierung zur Öffnung: wie alle litauischen Institutionen ist das Bildungssystem seit der Unabhängigkeit des Landes 1990 den Weg der Reformen und der Demokratisierung gegangen. Die Berufsbildung wurde auch neu organisiert, um die Jugendlichen auf die Arbeit in der neuen wettbewerbsorientierten Marktwirtschaft vorzubereiten.

Um sein System an das der Europäischen Union anzupassen, hat Litauen einen Qualifikationsrahmen in fünf Stufen eingerichtet. Die Wirtschaftspartner (Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer) wurden sehr eng in die Überlegungen einbezogen. Bei der Organisation der Prüfungen und der Anerkennung von Qualifikationen besitzen sie eine Mitentscheidungsbefugnis.

Seit 2014 bietet Litauen ein Berufsausbildungsprogramm für Allgemein- und Berufsbildungseinrichtungen. Es definiert die Bildungsziele samt beruflichen Laufbahnen und deren Umsetzung sowie alle Berufskompetenzen, die die Schüler während ihres Ausbildungsgangs erwerben müssen.

Eine Einrichtung zur inhaltlichen Bearbeitung der Qualifikationen und der beruflichen Bildung und Ausbildung hat ein durch den Europäischen Sozialfonds finanziertes Projekt implementiert, genannt « Inhaltliche Bearbeitung der Qualifikationen und Schaffung eines modularen Systems der beruflichen Bildung und Ausbildung », um ein nationales Qualifikationssystem über branchenspezifische Berufsnormen zu schaffen

Litauisches Bildungssystem – 2014

 

Litauisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Ausbildungsweg in Litauen

 

Schulpflicht besteht von 6 / 7 bis 16 Jahren.

 

Sekundarbereich

Im Anschluss an die Grundschulzeit, die mit 10 oder 11 Jahren endet, besuchen die Schüler die Unterstufe der allgemeinbildenden Sekundarstufe, die aus den Klassen 5 bis 10 besteht. Dann können sie entweder ihre Allgemeinbildung in einem Lyzeum fortsetzen oder sich für einen der drei in den Berufsschulen angebotenen Bildungsgänge entscheiden:

  • Die Berufsbildungsprogramme Stufe II für Schüler, die die Unterstufe der Sekundarschule absolviert haben (mit 16/17 Jahren) und nur eine Berufsqualifizierung wünschen. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und führt zu einer Qualifikation, die der Stufe III (Facharbeiter) entspricht.
  • Die Berufsbildungsprogramme Stufe III richten sich an Schüler, die die Unterstufe der Sekundarschule absolviert haben (mit 16/17 Jahren) und eine Berufsqualifizierung und einen Sekundarschulabschluss wünschen. Diese Ausbildung dauert drei Jahre und führt zur Qualifikationsstufe IV. Die Schüler erhalten einen Abschluss als Facharbeiter und ein Reifezeugnis, das zur Aufnahme eines Studiums an einer Hochschule befähigt.
  • Postsekundäre Berufsbildungsprogramme Stufe IV: diese steht den Absolventen mit Reifezeugnis offen, die Ausbildung dauert ein oder zwei Jahre je nach Beruf und führt zur Qualifikationsstufe IV.

Für Schüler im Alter von 14 Jahren, die die Unterstufe der allgemeinbildenden Sekundarschule nicht abgeschlossen haben, sind Berufsbildungsprogramme Stufe I vorgesehen. Die Ausbildung dauert zwei bis drei Jahre, das erhaltene Qualifikationsniveau entspricht der Stufe II des nationalen und europäischen Qualifikationsrahmens.

Duale Ausbildungsgänge sind sehr wenig entwickelt.

 

Hochschulbidung

Dieses ist entweder berufsbildend oder universitär.

Die Berufsbildung Stufe IV richtet sich an Schüler mit einem Sekundarstufe II Abschluss, die eine berufliche Qualifikation anstreben. Die Ausbildung dauert ein bis zwei Jahre je nach Beruf.

Drei- oder vierjährige Spezialisierungen können ebenfalls an den höheren Berufsbildungsinstituten (Kolegdja) studiert werden.

 

Kennzahlen

  • Der Prozentsatz an Angestellten, die an einer Weiterbildungsmaßnahme teilnehmen, liegt bei 25% und damit über dem EU-Mittel von 20%. (CEDEFOP – 2017)
  • 2013 hatten 6,3% der Jugendlichen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, die höchstens einen Schulabschluss der sekundären Unterstufe besaßen, die Schule oder Ausbildung vorzeitig abgebrochen. (Eurostat – 2014)
  • In den berufsbildenden Zweigen befinden sich höchstens 19 Schüler in den Klassen.

Letzte Aktualisierung : 14/03/2018

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