Lettland

Riga (Wikimedia)Es ist weit mehr als nur eine Reform: Lettland hat seit seiner Unabhängigkeit 1991 sein Bildungssystem völlig umgestaltet.

Vom Kindergarten bis zur Weiterbildung über die Universität wurden sämtliche Bereiche grundsätzlich umstrukturiert. Die Berufsbildung wurde reformiert, um sich an den Bedarf einer sich ständig wandelnden Wirtschaft anzupassen. So hat sich das Berufsbildungsgesetz die Berufsqualifizierung samt Erwerb allgemeinbildender Kenntnisse und Kompetenzen zum Ziel gesetzt.

Die Wirtschaftspartner wurden mobilisiert, um die Berufe zu identifizieren, für die Nachfrage in der Wirtschaft besteht, die beruflichen Qualifikationen festzulegen und den Schülern den Erwerb von Berufserfahrung anzubieten usw.

Schließlich wurden Maßnahmen ergriffen, um Ungleichheiten zwischen ländlichem Bereich und Stadt zu vermeiden und gleiche Bildungschancen für alle zu schaffen.

 

Lettisches Bildungssystem – 2012

 

Lettisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Lettland

 

Schulpflicht besteht von 6 bis 18 Jahren.

Die Grundausbildung dauert 9 Jahre: 4 Jahre Grundschule (Sakumskola) gefolgt von 5 Jahren Sekundarstufe I (Pamalskola), die die Schüler mit dem mittleren Schulabschluss verlassen (Atestas par pamatizglltibu).

Die Schüler, die mit 15 Jahren die Grundschule nicht beendet haben, können eine Arodskolas besuchen, um eine einfache Berufsbildung zu erhalten. Im Anschluss daran können sie ihre Ausbildung an einer berufsbildenden Sekundarschule weiterverfolgen.

 

Sekundarbereich

Im Anschluss an die Pamalskola haben die Schüler die Wahl zwischen:

  • Allgemeinbildender Sekundarstufe II (Vispareja vidizglillba), die mit einem Zertifikat der allgemeinen Sekundarstufe II (Atestats par vispareja videja izglillbu) abschließt. Dieses Atestas berechtigt zum Hochschulzugang.
  • Technischer (Videja speciala izglitiba) und berufsbildender Sekundarschule (Arodizglillba). das Zertifikat der beruflichen Grundausbildung (Aplieciba); das Zertifikat der berufsbildenden Sekundarstufe (Atestats) und das Diplom der berufsbildenden Sekundarstufe (Diploms) schließen diesen Bildungsgang ab. Nur das Diploms berechtigt zum Hochschulzugang.

Duale handwerkliche Ausbildungsgänge sind sehr wenig entwickelt.

 

Hochschulbidung

Das Hochschulwesen besteht aus:

  • Studiengängen an Universitäten
  • Postsekundären berufsbildenden Studiengängen unterschiedlicher Länge: sie sind berufsqualifizierend und können auch mit einer Lizenz (Bakalaurs) abschließen, wenn sie 4 Jahre dauern. Der Student kann bis zum berufsqualifizierenden Master (Magistrs) weiterstudieren.

 

Kennzahlen

  • 2010 gab es in Lettland 389.000 Schüler und Studenten aller Bildungsstufen
  • 2011 lag die Anzahl der 18-24 Jährigen, die vorzeitig das Bildungssystem verlassen hatten, in Lettland bei 11,8% gegenüber 14,1% in der Europäischen Union.
  • 2010 besuchten 28,9% der lettischen Schüler der Sekundarstufe II eine berufsbildende Schule. Zum Vergleich: EU-weit liegt die Quote im Mittel bei 44,2%.
  • Das berufsbildende System besteht aus fünf Qualifikationsstufen in verschiedenen Berufsbereichen.

Quelle: Eurostat, Bildungsministerium Lettlands