Italien

Italia (Wikimedia)Italien hat sein Bildungssystem dahingehend reformiert, dass es einen größeren Akzent auf die berufsbildende und die duale Berufsbildung legt.

Das allgemein- und das berufsbildende Ausbildungssystem (Sistema di istruzione et sistema della formazione professionale) wurden zusammengelegt und als ein über 12 Jahre auszuübendes Recht angesehen, das gleichzeitig eine Pflicht (diritto-dovere) ist (5 bis 18 Jahre). Diese Sichtweise hat dazu geführt, der Berufsbildung ein positives Image zu vermitteln, die der Allgemeinbildung gleichgestellt ist. Sie garantiert jedem Jugendlichen eine allgemein- oder berufsbildende Ausbildung vor dem Berufseinstieg. Die berufsbildenden Ausbildungen wurden ebenfalls zusammengeführt und aufgewertet, die Ausbildungsverträge wurden geändert.

Die Regionen haben eine weitgehende Entscheidungsbefugnis für die Berufsbildung und sind für die Festlegung der Prüfungsanforderungen verantwortlich.

In Italien sind es traditionsgemäß die autonomen Regionen und Provinzen, die die einzelnen Berufsbildungsprogramme und Lehrausbildungssysteme erstellen. Der Vereinbarkeit wegen hat die Konferenz der Regionen Bildungs- und Ausbildungsstandards verabschiedet, die national gültig sind und sich nach dem 2011 geschaffenen Qualifikationsrahmen richten.

In Italien ist der im Rahmen der Lehrausbildungsprogramme organisierte Unterricht ausschlaggebend, um am Arbeitsmarkt vermittelbar zu sein.

Italienisches Bildungssystem – 2013

 

Italienisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Italien

 

Sekundarbereich

Der erste Pflichtteil der Schulbildung läuft über 8 Jahre und umfasst die Grundschule (5 Jahre) und die Sekundarstufe I (3 Jahre), die mit einer Abschlussprüfung endet.

Die Schüler haben anschließend die Wahl:

  •  5 Jahre das Lyzeum zu besuchen (Licei, istituto tecnico, istituto professionale) das mit dem l’esame di stato endet, welches der Hochschulzugangsberechtigung entspricht.
  • Sich für eine Berufsbildung zu entscheiden, die durch die Regionen organisiert wird: 3 Jahre für einen berufsqualifizierenden Abschluss (Certificato di qualifica professionale). Daran schließt entweder der Berufseinstieg, eine Weiterbildung am Lyzeum oder eine weitere Spezialisierung an. Diese Spezialisierung gibt Zugang zu den IFTS (Istruzione Formazione tecnica superiore/ Ausbildung zum höheren Techniker, nicht universitär) und den ITS (Istituti tecnici superiori)
  • Zu einer dualen Berufsbildung, bei der Arbeit und schulische Ausbildung wechseln, und die den Jugendlichen praktische Kenntnisse und Kompetenzen vermittelt, die sie auf dem Arbeitsmarkt in die Praxis umsetzen können.

Es ist möglich, vom allgemeinenbildenden in das berufsbildende System zu wechseln und umgekehrt.

 

Hochschulbildung

Abschlüsse für höhere Techniker werden je nach Fachrichtung in einem 4- bis 6-semestrigen Studium an den ITS (Istituti tecnici superiori) angeboten.

Höhere Berufsausbildungen mit anerkanntem Abschluss (2 Semester) werden von den Regionen nach Maßgabe des Arbeitsmarktbedarfs der jeweiligen Region an den IFTS (Istruzione Formazione tecnica superiore) angeboten.

Die Universität bietet berufsqualifizierende Abschlüsse und Masterabschlüsse unterschiedlicher Länge in den Bereichen Gesundheit, nicht-ärztliche medizinische Berufe und Künste an.

In den Regionen wurden Berufsbildungszentren eingerichtet, an denen Ausbildungseinrichtungen, Universitäten, Unternehmen, Forschungsteams an einem gleichen Thema arbeiten.

 

Duale Ausbildung

Die dualen Ausbildungsgänge werden unter der Verantwortung der Bildungseinrichtung auf der Grundlage von Vereinbarungen mit den Betrieben entwickelt, verfolgt und bewertet. Bisher gibt es sie noch recht wenig.

Die duale Berufsbildung kann von Jugendlichen zwischen 15 und 18 Jahren im Rahmen des Pflichtschulbesuchs oder auch von älteren zwischen 18 und 29 Jahren in Anspruch genommen werden. Sie kombiniert schulische Ausbildungszeiten, mindestens 120 Stunden pro Jahr, und betriebliche Ausbildung im Rahmen eines Ausbildungsvertrags. Je nach Alter und Fähigkeiten der Lehrlinge dauert der Ausbildungsvertrag zwischen 18 Monaten und 4 Jahren. Er schließt mit dem Nachweis einer beruflichen Qualifikation ab, die im Bildungsheft eingetragen wird. Um diese Maßnahme zu fördern, werden die Ausbildungsbetriebe von den Sozialabgaben befreit.

 

Kennzahlen

 

  • Seit 2010 wird die höhere technische Sekundarstufe (derzeit von 57% der Jugendlichen besucht) reformiert. Diese Unterrichtsform wird flexibler und richtet sich mehr am Arbeitsmarkt aus. Zwei Zweige mit 19 möglichen Fachrichtungen werden angeboten.
  • Die Lehrausbildung richtet sich ausschließlich an Jugendliche zwischen 18 und 29 Jahren. Seit 2016 hat er sich auf erwachsene Arbeiter erweitert. (EUROPA – 2016)
  • Praktika werden für Schüler der letzten drei Jahre der Sekundarstufe II Pflicht (400 Stunden für Schüler der Berufsausbildung und 200 Stunden für Schüler der Allgemeinbildung). Sie können im Privatsektor oder in der öffentlichen Verwaltung stattfinden. (EUROPA – 2017)

Letzte Aktualisierung : 19/06/2018