Irland

Eire (Wikimedia)Seit den 90er Jahren hat Irland eine umfassende Reform seines Bildungssystems unternommen: Der Zugang zur Bildung für alle wurde per Gesetz festgeschrieben. Nunmehr hat jeder, ob Jugendlicher oder Erwachsener, ob arbeitslos oder in Arbeit, Recht auf eine zweite Chance zu einer Ausbildung.

Irland hat einen Rahmen für Abschlüsse der allgemeinen und beruflichen Bildung geschaffen.

Das Land hat Arbeitgeber und Wirtschaftspartner mobilisiert, insbesondere um die Qualitätsstandards für die Berufsausbildung zu schaffen und die gegenseitige Anerkennung von Qualifikationen und Kompetenzen zu erleichtern.
Zu den eingeführten Innovationen im Bildungssystem ist zu erwähnen:

  • Das Transition year. Freiwilliges Schuljahr zwischen Unter- und Oberstufe der Sekundarschule ohne Abschluss. Die Jugendlichen können dort verschiedene Fächer ausprobieren, Theater spielen, reisen, Betriebspraktika machen usw. Ziel des Schuljahrs ist, mehr Reife und Selbstverantwortung zu erlangen, sich der Welt zu öffnen und sich über berufliche Orientierung Gedanken zu machen.
  • Im Programm Leaving certificate vocational programme (LCPV), das in etwa einem Fachabitur entsprich, wurden zwei Pflichtmodule eingeführt: Entwicklung des betrieblichen Denkens und Vorbereitung auf die Arbeitswelt. Ziel ist, die Kompetenzen des Schülers im Bereich Kommunikation, Recherchen, Schreiben von Berichten und Teamarbeit zu schulen.

In Irland gehört die berufliche Bildung und Ausbildung entweder zur postsekundären, nicht-universitären Bildung oder zur Bildung und Ausbildung auf dem zweiten Bildungsweg. Die Lehrpläne und die berufliche Bildung und Ausbildung können allgemein- oder berufsbildend sein, als Lehrausbildung verlaufen und zu verschiedenen Qualifikationen und Bildungsniveaus führen. Angesprochen sind jugendliche Sekundarschulabgänger, Erwachsene in der Lehrausbildung, jugendliche Schulabbrecher, Arbeitslose, Asylbewerber und Auszubildende mit besonderen Bedürfnissen.

Irländisches Bildungssystem – 2013

 

Irländisches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Ausbildungsweg in Irland

 

Sekundarbereich

In Irland besteht Schulpflicht für Kinder von 6 bis 16 Jahren.

Die Sekundarschule beginnt im Alter von 12 Jahren. Diese umfasst die dreijährige Sekundarstufe I (Junior Cycle), die mit einem mittleren Schulabschluss endet (Junior certificate), und auf die das freiwillige Transition year folgt:

An diesem Punkt entscheiden sich die Schüler einer der drei Bildungswege der Sekundarstufe II, welche mit der Hochschulreife, Leaving certificate,abschließt.

  • Der erste entspricht der herkömmlichen allgemeinbildenden Sekundarschule und führt zum Hochschulzugang
  • Der andere Bildungsweg ist berufsbildend und führt zum LCVP – Leaving certificate vocational programme. Hier ist mehr Platz für berufsbildende Fächer. Das LCPV berechtigt zum Hochschulzugang.
  • Der dritte Bildungsweg führt zum angewandten Schulabschluss (LCA – Leaving certificate applied). Dieser richtet sich an Schüler, die nicht direkt an einer Hochschule studieren wollen. Die Absolventen des LCA-Abschlusses können den Abschluss des Post-leaving certificate anstreben, das ihnen Zugang zur Ausbildung an einer Fachhochschule bietet.

 

Hochschulbildung

Hochschulbereich: technologische Institute (Institutes of technology) vergeben nach zwei Ausbildungsjahren Befähigungszertifikate (Higher certificate) oder nach drei Jahren Diplome (Ordinary degree) sowie nach vier Jahren Studium technologische Higher degrees.

Auch an Hochschulen gibt es berufsqualifizierende Honours bachelor degree und Master.

Den berufsbildenden Unterricht übernehmen Erziehungs- und Ausbildungsberater in Ausbildungszentren, Schulen und Sekundarschulen.

Der berufsbildende Unterricht im Hochschulsystem findet hauptsächlich an Fachhochschulen statt. De meisten Ausbildungen verlaufen in Form von Lehrausbildungen, oder mit Praktikum oder einer spezifischen Ausbildung (für Arbeitslose). Bestimmte Unterrichtskurse, die einen Sekundarschulabschluss bilden, werden ebenfalls als richtige Berufsausbildungen angesehen.

Duale Ausbildung

Der Bildungsweg der dualen Lehrausbildung ist in Irland im Wandel und sehr begrenzt, nur 25 Ausbildungsgänge werden durch die FÁS (Nationale Behörde für Berufsbildung und Arbeit) angeboten. Die FÁS wird bald durch SOLAS ersetzt werden. Die Auszubildenden werden durch die Unternehmen eingestellt und angestellt und erhalten eine Vergütung. Sie müssen mindestens 16 Jahre alt sein und das Junior certificate absolviert haben. Die Lehre dauert mindestens vier Jahre. Nach bestandener Prüfung erhält der Lehrling das nationale Handwerksbefähigungszertifikat (National craft certificate).

Eine der Besonderheiten der irländischen Lehrausbildung ist, das sie auf Standards gründet: Sobald sie 16 Jahre alt sind, können Jugendlichen am nationalen Traineeships Programm teilnehmen, es handelt sich um ein duales berufsbildendes und qualifizierendes Ausbildungssystem, dass durch die Wirtschaftspartner für die lokale Wirtschaft eingerichtet wurde. Dieses vergibt durch qualifizierte Berufsverbände anerkannte Qualifizierungen.

Die Auszubildenden werden in Irland als Berufstätige angesehen und entsprechend bezahlt. Sie schließen einen Vertrag mit dem Arbeitgeber ab und haben einen Angestellten ähnlichen rechtlichen Status und entsprechende Rechte und Verantwortung.

Derzeit werden die meisten Lehrausbildungen in den Fächern Elektriker und Tischler angeboten. Die Lehrausbildung soll jetzt jedoch auch auf andere Wirtschaftsbereiche erweitert werden.

Als Reaktion auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landes sieht ein neuer Regierungsplan vor, die Anzahl Personen, die an einer Lehrausbildung teilnehmen, zu erweitern. Der Aktionsplan für Bildung will bis 2020 100 neue Lehrausbildungs-Lehrpläne und 50 neue Praktikumsprogramme ins Leben rufen. Dieser sieht ebenfalls vor, den Zugang zur Berufserfahrung für Hochschulstudenten zu erweitern.

Praktikanten werden in Irland nicht als Angestellte angesehen; folglich erhalten sie im Gegensatz zu Auszubildenden eine Praktikumsvergütung und kein Gehalt und zahlen keine Arbeitslosenversicherung.

Praktika gibt es generell in Berufen wie Frisör und Kinderbetreuungsdienste.

Kennzahlen

  • 2012 lag die Anzahl der 18 bis 24 Jährigen, die vorzeitig das Ausbildungssystem verlassen hatten, bei 9,7% (gegenüber 12,8% im Mittel der Europäischen Union). (Eurostat / Europa.eu – 2013)
  • Die Beschäftigungsquote der 20- bis 64-Jährigen liegt in Irland bei 70,3%. (CEDEFOP – 2017)
  • Die Arbeitslosenquote ist in Irland im Februar 2018 von 7,3% (2017) auf 6% gesunken. (tradingeconomics-2018)

Letzte Aktualisierung : 18/06/2018

RÜCKFRAGEHINWEIS

Das irländische Bildungssystem im Überblick (Eurypedia)

IVEA – Irländischer Verband für Berufsbildung (Irish Vocational Education Association)

NQAI – Nationale Behörde für Qualifikationen (National Qualifications Authority of Ireland)

Ministerium für Bildung und Wissenschaft (Department of Education and Science)

CAO: Portal für die Zulassung zum Hochschulstudium

Ministerium für Unternehmen, Handel und Arbeit (Department of Enterprise, Trade and Employment)

FÁS – Nationale Behörde für Berufsbildung und Arbeit (Training and Employment Authority)

SOLAS – Neue Nationale Behörde für Berufsbildung 

Careerlist: Liste Berufsbeschreibungen

IBEC – Irländischer Unternehmer- und Arbeitgeberverband (Irish Business and Employers Confederation)

EURES (Europäisches Portal für berufliche Mobilität) : Arbeitssuche und Lebensumstände in Irland