Deutschland

Berlin (Wikimedia)In Sachen Berufsausbildung gilt das deutsche System in Europa als vorbildlich.

Die berufliche Erstausbildung erfolgt überwiegend in Form des dualen Ausbildungssystems. Dual, da an zwei Ausbildungsorten: Ausbildungsbetrieb und Berufsschule. Das Lehrausbildungssystem genießt in der deutschen Gesellschaft hohes Ansehen.

Bei diesem System, das sich hinsichtlich Qualifikation und Berufseinstieg der Jugendlichen bewährt hat, werden die Inhalte durch die Länder und die Wirtschaftspartner bestimmt. Die Qualität des Dualsystems gewährleistet die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

Einige werfen dem System jedoch eine zu starke Unternehmensabhängigkeit vor, so dass bei Wirtschaftskrisen zu wenige Ausbildungsplätze vorhanden sind. Die Möglichkeiten, das Ausbildungsfach zu wechseln, sind wegen der Spezialisierung begrenzt. Die Dinge ändern sich jedoch.

Deutschland muss es mit der Globalisierung und der Mobilität der Bildungsteilnehmer aufnehmen und den Strukturwandlung innerhalb der Wirtschaft bewältigen. Die Hürden zwischen den verschiedenen Ausbildungsbereichen verschwinden zunehmend. Ein bundesweiter Qualifikationsrahmen für die gewerbeübergreifende Anerkennung und die Vergleichbarkeit der Qualifikationen von Auszubildenden wird derzeit erarbeitet.

Abgänger aus dem dualen Ausbildungssystem profitieren von einem besseren Berufseinstieg, so dass die Jugendarbeitslosigkeit sinkt (2015: 7,2 % der 15 bis 24 Jährigen gegenüber 20,4 % in Europa bei den 15-28 Jährigen).

Als große Exportnation entwickelt Deutschland eine Bildung und Berufsausbildung, die zum Erwerb internationaler Qualifikationen ermöglicht, wie Fremdsprachenkenntnisse oder das Verständnis für ausländische Märkte und Unternehmensstrukturen. In Absprache mit ihrem Ausbilder haben die Auszubildenden die Möglichkeit, bis zu ein Viertel ihrer Ausbildung im Ausland zu leisten.

Um dem durch die Alterung der Bevölkerung bedingten Mangel an qualifizierten Fachkräften abzuhelfen, hat Deutschland ein breitflächiges Programm auf die Beine gestellt, « The job of my life », das Jugendlichen aus Europa, im Alter von 18 bis 35 Jahren, die Möglichkeit gibt, eine duale Ausbildung zu vollziehen, die durch ein Förderungsstipendium und einen Deutschkurs ergänzt werden kann.

Die digitale Innovation wirkt sich auf die Qualifikationsprofile und Lehrpläne aus. Die Initiative Berufsausbildung 4.0 ist, den veränderlichen Qualifikationsbedarf der Mitarbeiter zu identifizieren, aber ebenfalls, auf die durch diese Innovationen entstehenden Herausforderungen zu reagieren.

 

Deutsches Bildungssystem – 2013

 

Deutsches Bildungssystem (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Der berufliche Bildungsweg in Deutschland

 

Sekundarbereich

Die berufliche Erstausbildung in Deutschland umfasst im Mittel 2 bis 3 Lehrjahre. Es gibt etwa 350 mögliche Lehrberufe. Die berufliche Bildung ist gekennzeichnet durch die Gleichzeitigkeit von praktischer Ausbildung in einem Ausbildungsbetrieb und Berufsschule, wo allgemeinbildende Fächer (Sprache, Wirtschaft, Mathematik usw.) sowie die theoretischen Grundlagen des gewählten Berufs unterrichtet werden.

Die Unternehmen kommen für die Ausbildungskosten auf und zahlen das Gehalt des Auszubildenden. Diese beenden ihre Ausbildung mit Erfolg und werden dann als Facharbeiter eingestellt. Die duale Lehrausbildung ist das Herz der Berufsausbildung.

Sie berechtigt dazu, einen Beruf selbständig auszuüben, Mitarbeiter zu beschäftigen, Lehrlinge auszubilden und auf die Universität zu gehen. Sie erleichtert ebenfalls den Erwerb der mittleren Qualifikationsebene (Meister, Fachwirt, Techniker) im Unternehmen. Die duale Lehrausbildung bietet eine Mischung zwischen Berufsausbildung und fachbezogener Hochschulausbildung (Studiendauer 3 bis 4 Jahre) und anderen Bildungswegen an Hochschulen (Berufsakademien, duale Hochschule), die zu einer Doppelqualifikation (Berufsausbildung und Bachelor oder Bachelor und Master) führen.

Zugang zu den Lehrberufen besteht ab 15 Jahren, ohne Vorbedingung. Die derzeitige Tendenz der Unternehmen geht dahin, Ausbildende in einem etwas reiferen Alter nach einer längeren Allgemeinbildung zu bevorzugen.

Nach Bestehen der Abschlussprüfung (Berufsqualifizierender Abschluss) kann der erlernte Beruf als qualifizierte Fachkraft ausgeübt werden.

Bestimmte Lehrberufe sind nur mit Abitur (Hochschulreife) zugänglich.

Die Berufsabschlüsse werden durch die Prüfungsausschüsse (Innung) des jeweiligen Lehrberufs ausgestellt.

Ein Berufsabschluss für schulische Lehrberufe kann ebenfalls als Vollzeitausbildung an einer Berufsfachschule erworben werden, aber die Ausbildungsordnung ist anders und führt oft zu Assistenzberufen.

Etwa die Hälfte der Abgänger der Sekundarschule wählt die Berufsausbildung, darunter 70% eine duale Lehrausbildung.

 

Hochschulbildung

Im Anschluss an die Berufsfachschule kann an einem beruflichen Gymnasium, Fachgymnasium oder einer Fachoberschule die Fachhochschulreife erworben werden, welche Zugang zu einer Fachoberschule (FOS) oder der Fachhochschule bietet.

Für soziale Berufe gibt es spezialisierte Berufsfachschulen. Die Aufnahme erfolgt meist über ein Bewerbungsgespräch und anhand der Schulnoten.

In einigen Ländern gibt es Berufsakademien, die Bachelor- und Master-Abschlüsse im dualen System anbieten. Sie kombinieren eine theoretische Ausbildung mit praktischer Erfahrung im Ausbildungsbetrieb. Die Bewerber werden vom Ausbildungsbetrieb ausgewählt. Das Studium führt zu Abschlüssen in technischen (Ingenieur), kaufmännischen und sozialen Bereichen sowie im Bankensektor.

Fachhochschulen, neuerdings Universities of Applied Sciences genannt, bieten Bachelor- und Master-Studiengänge an. Da die Anzahl Studienplätze begrenzt ist, erfolgt die Aufnahme nach den bisherigen Noten und wird meist vor Studienaufnahme ein Praktikum verlangt.

 

Kennzahlen

  • « Prozentuale Vermittelbarkeit junger Absolventen zwischen 20 und 34 Jahren 2016:
    • Aus der Berufsbildung und der Sekundarschule außer Dienstleistungssektor 88,4%.
    • Aus der Hochschulausbildung allgemein und der Hochschulausbildung außer Dienstleistungssektor 65,2%.
    • Aus der mittleren Reife 53,1%. (CEDEFOP – 2016)
  • Auszubildende erhalten eine durchschnittliche Ausbildungsvergütung von 854 € brutto pro Monat (BIBB/GOVET – 2016)
  • Über 25 % der Studenten an einer Hochschule kommen aus dem beruflichen Ausbildungsweg.

Letzte Aktualisierung : 21/02/2018

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