Belgien

Brugge (Wikimedia)In Belgien hat jede Sprachgemeinschaft – französisch, flämisch und deutsch – ihr eigenes Bildungssystem. Es gibt demnach keine Auskünfte über Bildung auf nationaler Ebene.

Bis in jüngste Zeit war die berufliche Ausbildung ab 16 Jahren vor allem den Jugendlichen vorbehalten, die an den allgemeinbildenden Schulen nicht erfolgreich waren. Heute wird alles dafür getan, um dieses Image zu revidieren. Neue Maßnahmen wurden ergriffen, um Praktika und Lehrverträge zu fördern.

In Wallonien wurde eine Übereinkunft für die generelle Einführung von Praktika, duale Ausbildung und den modularen Aufbau des berufsbildenden und technischen Unterrichts an Gymnasien abgeschlossen.

In Flandern werden Praktika in der berufsbildenden und technischen Sekundarbildung sehr empfohlen. Die Wirtschaftspartner haben sich verpflichtet, 75.000 Stellen pro Jahr für die Schüler berufsbildender und technischer Gymnasien einzurichten.

Staatliche Maßnahmen fordern die Unternehmen dazu auf, an der dualen Berufsausbildung teilzunehmen. So hat die Bundesregierung die Sozialbeiträge der Arbeitgeber, die Tutoren eingestellt haben, um Praktikanten und Auszubildende zu betreuen, auf 400 €/ Kalenderviertel reduziert. Jugendliche unter 18 Jahren und die Unternehmen, die diese einstellen, erhalten unter bestimmten Bedingungen eine Prämie für die unterzeichneten Ausbildungsverträge und -vereinbarungen.

Das nationale Reformprogramm will vor allem die Anzahl vorzeitiger Schul- und Berufsschulabbrecher reduzieren. Aber auch langfristig dafür sorgen, dass mehr Jugendliche in Ausbildungsberufe gehen und den Zugang zu diesen Qualifizierungen sowie deren Image verbessern.

Um die Mobilität innerhalb der beruflichen Bildung und Ausbildung zu verbessern, wurden zwei Maßnahmen ergriffen:

  1. Einrichtung von Anerkennungsprogrammen für Fähigkeiten und Kompetenzen, Erarbeitung von Berufsprofilen und eines gemeinsamen Bezugsrahmens für alle Anbieter beruflicher Bildung und Ausbildung.
  2. Einführung politischer Werkzeuge, um Unternehmen dazu zu bringen, ihren Verpflichtungen besser nachzukommen, d. h. 1,9% ihrer Lohnsumme für Bildungs- und Ausbildungsprogramme aufzuwenden, aber ebenfalls, um die Synergien zwischen Arbeits- und Bildungswelt zu stärken.

Die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen ist eine Hauptsorge für die belgischen Behörden. Während die deutsche Sprachgemeinschaft seit sehr langer Zeit und mit Erfolg die duale Ausbildung praktiziert, investieren nun ebenfalls andere Regionen und Gemeinschaften in diesen Weg, um zu versuchen, eine Lösung für die Jugendarbeitslosigkeit zu finden, indem sie die duale Lehrausbildung fördern.

Verschiedene öffentliche und private Bildungsträger bieten nun für die Auszubildenden Programme an, bei denen sie sich anderthalb Tage wöchentlich allgemeines und berufliches Wissen wie auch praktische Kompetenzen in einem Berufsausbildungszentrum aneignen. Den Rest der Zeit werden sie im Betrieb ausgebildet. Das System will sie zu qualifizierten und selbständig arbeitenden Facharbeitern ausbilden. Die Ausbildungsprogramme für angehende Unternehmer stehen allen ab 18 Jahren offen.

 

Belgisches Bildungssystem – 2012

Flämische Sprachgemeinschaft

 

Belgisches Bildungssystem / flämische Gemeinschaft (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Französische Sprachgemeinschaft

 

Belgisches Bildungssystem / französische Gemeinschaft (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Deutsche Sprachgemeinschaft

 

Belgisches Bildungssystem / deutsche Gemeinschaft (© Onisep / Elise Veteau)

 

Glossar der Begriffe für die Übersicht

 

Beruflicher Bildungsweg in Belgien

 

Die Schulpflicht gilt von 6 bis 15 Jahren (Vollzeit) und bis 18 Jahren für Jugendliche in einer Teilzeitausbildung.

 

Sekundarbereich

Der Grundschulabschluss (Certificat d’études de bases, CEB) ist eine Prüfung für alle Schüler nach dem 6. Grundschuljahr. Daran schließen sich zwei Bildungsrichtungen an:

  • Eine allgemeinbildende Übergangsschule, die auf die Weiterführung der Allgemeinbildung bis zum Hochschulzugang vorbereitet, aber auch Möglichkeiten zum Berufseinstieg bietet. Diese Schulform schließt mit der Reifeprüfung (Certificat d’enseignement secondaire supérieur, CESS) ab.
  • Eine berufsbildende Schule, die auf den Einstieg ins Berufsleben vorbereitet, aber auch die Möglichkeit bietet, die Schule bis zum Hochschulzugang fortzuführen. Diese Schulform schließt mit der Reifeprüfung (Certificat d’enseignement secondaire supérieur, CESS, oder dem Certificat de qualification, CQ) ab, bzw. Abgangszeugnis für das sechste Grundschuljahr (CE6P).

Teilzeitberufsausbildungen: ab dem Alter von 16 Jahren können Jugendliche ihren beruflichen Bildungsweg in Teilzeit weiterführen. Der Besuch ist Pflicht. Dieses System betrifft insbesondere Schulabbrecher, steht aber auch 15-jährigen Jugendlichen offen, die ein erstes Jahr der Sekundarstufe absolviert haben.

 

Hochschulbidung

Schüler, die das CESS erworben haben, können ihre Ausbildung an einer Hochschule, z. B. Universität, haute Ecole oder Kunsthochschule fortführen. Das Umsteigen zwischen  Hochschule (haute Ecole) und Universität innerhalb eines Ausbildungsgangs ist möglich.

An den hautes Ecoles werden lange wissenschaftliche oder technologische Studiengänge angeboten. Das Studium teilt sich in zwei Studienabschnitte:

  • Das Grundstudium führt in drei Jahren zum Bachelor-Abschluss.
  • Das Fachstudium führt in weiteren zwei Jahren zum Master-Abschluss.

Die Studenten können sich auch zu einem kurzen berufsbildenden Studium in einem Studienabschnitt entscheiden. Dieses Studium dauert 3 Jahre und vermittelt die theoretischen und praktischen Grundlagen des Bachelor-Abschlusses. Im Anschluss daran kann in einigen Fächern ein weiteres Jahr angeschlossen werden, um einen Abschluss in einem „Spezialgebiet“ zu erreichen.

 

Duale Ausbildung

Die Lehre betrifft Jugendliche ab 15 oder 16 Jahren. Diese haben den Status eines Lehrlings bzw. Auszubildenden. Die Ausbildung ist hauptsächlich praxisbezogen (3,5 bis 4 Tage pro Woche) und soll die Jugendlichen auf Berufe im Handwerk, Handel, Industrie und Dienstleistungssektor vorbereiten. Je nach Ausbildungsgang dauert die Ausbildung 1 bis 3 Jahre.

 

Kennzahlen

  • Zwischen den Ausbildungsgängen werden Brücken geschaffen: 2009 haben sich in Belgien (flämische Gemeinschaft) unter den Schülern, die eine allgemeinbildende Schule besuchten, 12% im berufsbildenden Ausbildungsweg qualifiziert.
  • Im Jahr nach ihrem Lehrabschluss finden 73,2% der belgischen Lehrlinge einen Arbeitsplatz.
  • Die Beschäftigungsquote der jüngsten Abgänger aus beruflicher Bildung und Ausbildung der Sekundarstufe II erreichte 2014 einen Anteil von 75,6%, leicht über dem EU-Mittelwert von 73%. (EUROPA – 2016)
  • Die Jugendarbeitslosigkeit (% der erwerbstätigen Gesamtbevölkerung, 15-24 Jährige) lag nach den Entwicklungsindikatoren der Weltbank in Belgien 2017 bei 19,2%. (Trading Economics – 2018)

Quelle: Eurostat, OECD, CEDEFOP

Letzte Aktualisierung : 21/02/2018